Die Stadt zwischen den Welten
Gerade hattest du wieder diesen Traum. Seit Tagen hast du ihn jede Nacht:
Du stehst auf dem Grund einer HĂ€userschlucht. Um dich erheben sich die Fassaden dunkler GebĂ€ude aus Stahl und Stein bis in einen Himmel aus grauem Nebel. Fetzen des Nebels wabern durch die StraĂen und umhĂŒllen ungezĂ€hlte Wesen aller Arten, die an dir vorbeihasten.
Plötzlich taucht ein alter Mann aus dem Nebel auf. Er bleibt vor dir stehen und spricht drĂ€ngend und gehaucht: âWir brauchen dich. Bitte mach dich bereit und komm, wenn ich dich rufe. Das ist unsere letzte Hoffnung. Heute in 3000 HerzschlĂ€gen wird sich das Tor öffnen.â
Es ist der gleiche Traum, und doch nicht der gleiche. Gestern sagte er noch âmorgenâ.
Wer und was bist du, und was machst du in der verbleibenden Zeit?
Ablauf
Die Stadt zwischen den Welten ist ein systemunabhĂ€ngiges One-Shot-Setting fĂŒr bis zu 8 Leute. Ihr spielt Charaktere aus beliebigen Welten, etwas ĂŒber angehenden Helden (wenn ihr das EWS verwendet: Erschaffen mit 10 Punkten).
Wenn ihr ankommt, werdet ihr von einem Alten empfangen, der euch warnt, dass ihr verflucht wurdet: Binnen Minuten werdet ihr euch nicht mehr bewegen können, und dann werden die Herrschenden euch gefangen nehmen. Doch der Widerstand in der Stadt hat euch Hilfe organisiert: Zwei Kristalle, mit denen zwei von euch in einen Raum springen können, wo sie Auge und Buch sind. Das Auge sieht die anderen durch eine Kristallkugel und erzĂ€hlt, und das Buch schreibt das erzĂ€hlte auf. Solange ihr so eure Handlungen dokumentiert, verhindert das Buch euer Erstarren. Doch der Schreibraum ist nicht fĂŒr Lebende geschaffen: Nach einiger Zeit wird er unertrĂ€glich, dann mĂŒssen Auge und Buch die Kristalle greifen und sie an zwei Andere ĂŒbergeben, die das neue Auge und das neue Buch werden.
Das Auge ist SL, das Buch schreibt die Chronik. Die Bewohner der Stadt können die Kristalle nicht nutzen, weil bei ihnen der Fluch bereits einmal vollendet wurde.
Wer einlÀdt beginnt und beendet die Runde und gibt ihr so einen Rahmen.
Zwischendrin wechselt ihr alle halbe Stunde Out-Play-Zeit SL und Chronist oder Chronistin. Stellt euch am Besten eine Uhr. Das ist die Zeit, wenn der Raum fĂŒr Auge und Buch unertrĂ€glich wird, so dass sie tauschen mĂŒssen.
Wer Auge ist, greift entweder die aktuelle Ebene auf und erzÀhlt hier weiter oder beschreibt einen Weg nach oben, um eine neue Umgebung zu (er-) finden.
Die letzte halbe Stunde ĂŒbernimmt wieder wer eingeladen hat und fĂŒhrt die HandlungsfĂ€den der Augen zusammen, um ein spannendes Ende zu schaffen. Vielleicht rettet ihr die Stadt. Vielleicht entkommt ihr. Vielleicht passt auch ein anderer Abschluss besser.
Alternativeinstieg
Ein Riss reist durch die Zeiten, durchbricht die Grenzen der Welt, ein Hilferuf, unbedacht. Du hörst ihn und du spĂŒrst, wie er dich aus deinem Leben fahren lassen lĂ€sst. Wer bist du und was greifst du dir, als sich die Welt um dich auflöst und den Schatten einer Viktorianischen Stadt aus Stahl, Kristall und Macht weicht?
Blickst du dem Bruch deiner bekannten Welt ins Gesicht, oder schlieĂt du die Augen?
Es stehen andere hier, in einer leergefegten HĂ€userschlucht. Was seht ihr?
Schwere Tropfen fallen vom Himmel, graues Wasser, das auf eurer Haut brennt, wo es euch berĂŒhrt. In einem der HĂ€user direkt bei euch hört ihr Musik, und ihr seht Schatten hinter den Abgedunkelten Scheiben. Macht ihr noch etwas hier drauĂen oder betretet ihr die Kneipe direkt?
Abschluss
Die Stadt zwischen den Welten ist als Text ursprĂŒnglich im EWS 3.0 Regel-Alpha-D (im PDF) erschienen. Ich spiele sie seit ĂŒber einem Jahrzehnt fast jedes Jahr an meinem Geburtstag, immer wieder neu.